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Moskaus fünfte Kolonne

Etliche der Alternativen Medien berichten derzeit auffällig wohlwollend in Bezug auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Medien, die ansonsten keinerlei Schwierigkeiten gehabt haben dürften, einen hypothetischen Angriffskrieg der USA auf Mexiko als illegal zu erkennen und scharf zu verurteilen. Dabei wäre auch ganz egal gewesen, welche Begründung die USA angeführt hätte, beispielsweise einen hypothetischen Beitritt von Mexiko in die OVKS, also dem russischen Gegenstück zur NATO.

Die Tatsache, dass nun Russland so einen Angriffskrieg führt, scheint den politischen Kompass einiger Redaktionsstuben kräftig durcheinander gewirbelt zu haben. Während früher keine Gelegenheit ausgelassen wurde – zurecht – über die oft einseitige Kriegsberichterstattung im Mainstream bei NATO-Kriegen zu lamentieren, lassen einige Vertreter der Alternativen nun kaum eine Gelegenheit aus, um ganz unverhohlen russische Kriegspropaganda zu betreiben. Obwohl sonst häufig von „Menschheitsfamilie“ die Rede war und man sich Völkerverständigung auf die Fahnen geschrieben hatte, arbeitet man jetzt selbst mit allerlei schmutzigen Tricks, die man auch sonst von Kriegspropaganda so kennt:

  • Pauschales Verunglimpfen des Gegners, hier also der Ukraine, als „Nazis“.
  • Die Bezeichnung einer demokratisch gewählten Regierung als „Regime“.
  • Falsche Tatsachenbehauptungen, wie dass in der Ukraine das Sprechen von Russisch verboten worden wäre.
  • Damit verbunden der Narrativ einer Befreiung von angeblich Unterdrückten durch Russland.
  • Konstruktion einer angeblichen Bedrohung durch Biolabore und biologische Waffen, ähnlich den erfundenen Chemiewaffen im Irak.

Gleichzeitig werden von diesen Autoren auch klarste Verfehlungen der russischen Seite, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen völlig ignoriert oder gar gerechtfertigt. Russische Panzer verschießen dort grundsätzlich nur Blumen und Ukrainer beschießen sich primär selbst, während die Städte an der Front scheinbar völlig ohne russisches Zutun zu Staub und Asche zerfallen. Über die Ursachen dieser einseitigen, um nicht zu sagen manipulativen Art von Ukraine-Berichterstattung kann man nur spekulieren und sie mögen für jede Redaktion auch unterschiedlich sein.

Thomas Röper oder Alina Lipp, die immerhin des Russischen mächtig sind, tauchen derzeit immer genau da an der Front auf, wo russische Kriegsverbrechen gemäß russischer Propagandalinie dem deutschen Publikum zu erklären sind. Sie geben sich als Experten aus, fallen aber gleichzeitig primär durch absurde Fehlinterpretationen und Umdeutungen der Lage vor Ort auf. Ohne eine enge Beziehung zur russischen Administration und tendenziell auch einer Finanzierung aus russischen Quellen wäre so eine Berichterstattung nicht machbar. Auch für Rainer Rupp, der derzeit fast täglich leidenschaftlich über die Ukraine herzieht und dabei auch schon einmal Präsident Selenskyj mit Joseph Goebbels vergleicht, mag ähnliches gelten.

Bei anderen Autoren, die sich ansonsten mit NATO-Kritik auch immer einen Einsatz für den Frieden auf die Fahnen geschrieben hatten, scheint es naheliegender, dass diese sich wohl zu sehr an ein lieb gewonnenes Feindbild gewöhnt haben. USA = böse, Russland = gut, und jetzt Schwierigkeiten haben, davon abzurücken.

Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur.

Volker Pispers

Es ist ja auch so schön einfach, in einer schwarz-weißen Welt zu leben. Nur hat es eine gewisse Tragik, wenn Leute die den Vorwurf „vereinfacht zu denken“ selbst häufig gebrauchen, so einer vereinfachten Logik selbst unterliegen.

Diese Entwicklung ist traurig zu sehen, denn so verspielen die neuen Medien einiges an Authentizität. Man kann sich nicht ehrlich für Frieden und Freiheit einsetzen, wenn man den einen Krieg kritisiert und den anderen beklatscht. Das ist kein neutraler Journalismus, das ist Propaganda. Und genau solche wollten wir mit den neuen Medien eigentlich hinter uns lassen.

Daher können wir hier nur noch einmal die bekannten Empfehlungen unterstrichen:

  • Lesen Sie jegliche Medien, auch die Alternativen, immer mit der notwendigen Portion Skepsis.
  • Prüfen Sie den Autor, mögliche Eigen- und Fremdinteressen und seine bisherige Berichterstattung.
  • Machen Sie sich immer ein möglichst umfassendes Bild der Lage, am besten auch mit Quellen vor Ort.
  • Und das ganz besonders in Kriegszeiten, in denen objektive und neutrale Berichte und Lagebilder kaum zu erhalten sind!